

Neurofeedback-Sitzung (mit Spielesoftware von M. Versace) |
Was ist Neurofeedback? Neurofeedback trainiert direkt das Gehirn, speziell das elektrische Gehirn-Netzwerk. Durch dieses Taining lernt das Gehirn, flexibler zu reagieren und gleichzeitig stabiler zu werden. Während des Trainigs beobachten wir die Gehirn-Aktivitäten von Moment zu Moment und melden dies dem/der Klient/en/in zurück. Dies ist ein schrittweiser Lernprozeß, der für alle Gehirn-Funktionen gilt, die wir messen können. Neurofeedback wird auch EEG-Biofeedback genannt, da es auf den elektrischen Gehirnaktivitäten beruht, dem Elektroencephalogramm (EEG). Neurofeedback trainiert die Selbstregulation des Gehirns. Es ist einfach Biofeedback, das direkt am Gehirn ansetzt. Selbst-Regulation ist Voraussetzung für eine gute Gehirn-Tätigkeit und verbesserte Selbstregulation führt zu besserem und stabilerem Funktionieren des zentralen Nervensystems.
Kann Neurofeedback heilen? Bei organischen Hirn-Erkrankungen ist es eine Möglichkeit, eine Verbesserung des Zusammenspiels des Gehirn-Netztwerkes zu erreichen. Es geht weniger um eine Heilung als um ein besseres Funktionieren, Zusammenspielen des Gehirn-Netzwerkes. Wenn es zu Dys-/Fehlregulationen des Gehirn-Netzwerkes kommt, würden wir sagen, daß nicht eine Krankheit kuriert, sonder ein Zusammenspiel gebessert werden muß. Wo Dys-/Fehlregulation das Problem ist, ist Selbst-Regulation an sich schon die Hilfe. Insofern sprechen wir nicht von Heilung.
Wofür ist Neurofeedback gut? Neurofeedback ist besonders geeignet bei Dys-/Fehlregulationen des Gehirns: wie z.B. beim Angst-Depressions-Spektrum, bei Aufmerksamkeitsstörungen, bei Verhaltens-/Fehlsteuerungen, bei vielen Schlafstörungen, bei Kopfschmerzen - einschließlich Migräne, beim prämenstruellen Syndrom (PMS), bei emotionalen/affektiven Störungen. Ferner ist es hilfreich bei organischen Hirnerkrankungen wie epileptischen Anfällen, Schlaganfällen und dem Autismus-Spektrum.
Verschwinden also die Symptome? In der Tat, mit Neurofeedback können Symptome völlig beseitigt werden. Jemand mit einer Aufmerksamkeitsstörung wird sein Gehirn dahin trainieren können, soweit aufmerksamer zu sein, daß die Grundstörung nicht mehr zu diagnostizieren ist. Jemand mit Migräne wird diese nicht mehr oder viel, viel seltener haben (nachwievor wird er/sie im Vergleich zum Durchschnitt jedoch empfindlicher bezüglich Migräne bleiben). Jemand mit Anfällen wird keine Anfälle mehr haben, bzw. nur noch selten. (wobei er/sie nachwievor empfindlicher für Anfälle bleibt). Ein Kind mit schweren Wutausbrüchen oder -anfällen wird keine mehr haben oder nur noch selten so reagieren.
Wobei können wir helfen? In der Neurofeedback-Arbeit kommt man vielfach in Berührung mit beinahe'unlösbaren' Problemen aus der Kindheit, mit denen man im allgemeinen nur selten in Kontakt kommt. Dies beinhaltet besonders alle Arten von Anfällen, ferner schwere Verhaltrensstörungen und bipolare Störungen sowie das autistische Spektrum und tiefgreifende Entwicklungsstörungen. Außerdem können Folgen von Schlaganfällen, erworbenen Hirnschädigungen und Geburtstraumata gebessert werden. Vielen Kindern mit Schlafproblemen kann geholfen werden, die z.B. an Bettnässen, Alpträumen, Schlafwandeln und Zähne-Knirschen leiden. Wir können ferner hilfreich sein bei vielen Problemen in der Adoleszens: wie Drogen-Mißbrauch, Selbstverletzungen, Ängsten und Depressionen. Auch älteren Menschen können wir behilflich sein, ihre guten Hirnfunktionen aufrecht zu erhalten. Die besonders gute Nachricht ist einfach die, daß jedes Gehirn, unabhängig von der Ausgangssituation, von der Leistungsfähigkei, zu besserem Funktionieren trainiert werden kann.
Wie kann das funktionieren? Wir bringen Elektroden an der Kopfhaut zur Messung der Hirnströme an. Diese Hirnstrom-Signale werden von einem Computer verarbeitet, wobei wir gewisse ‚Schlüssel'-Frequenzen der Hirnwellen herausfiltern.Wir spiegeln das Auf und Ab dieser Hirnwellen-Signale den Klient/en/innen zurück, worüber ermöglicht wird, den Aktivitäts-Grad der Gehirn-Netzwerkes zu ändern. Dabei fördern wir Frequenzen, und andere hemmen wir. Dies verdeutlichen wir den Klient/en/innen in Form von Video-Spielen und von Tönen. Die Klient/en/innen spielen quasi ein Video-Spiel mittels ihrem eigenem Gehirn. Man könnte auch sagen, die Gehirnwellen-Aktivität wird ‚geformt' zu wünschenswerterem, geregelterem Funktionieren. Die Hirnwellen-Frequenzen, die wir auswählen, und den speziellen Ort an der Kopfhaut, von wo wir die Hirnwellen ableiten, sind spezifisch für die Bedingungen des/der Einzelnen, die wir behandeln wollen, und sind spezifisch für das jeweilige Individuum.
Was passiert, falls Klient/en/innen Medikamente einnehmen? Nach/bei erfolgreichem Neurofeedbacktraining sind vielfach Medikamente nicht mehr notwendig, bzw. ist nur noch eine geringere Dosis notwendig, da das Gehirn sich jetzt selber reguliert. Insofern ist es notwendig, daß die Klient/en/innen mit den verordnenden Ärzten bezüglich Medikamente und Neurofeedback in Kontakt bleiben. Wenn Neurofeedback sich mit so vielen Störungen befaßt, warum ist es so wenig bekannt? Neurofeedback arbeitet quasi auf der Basis des ‚operanten (wirksamen) Konditionieren' des Gehirns, und diese Technik ist in den medizinischen und psychologischen Fächern noch wenig verbreitet. Insofern ist es notwendig, im professionelem Bereich mehr Interesse hierfür zu wecken.
Text freundlicherweise von Dr. Köster, Hamburg, aus dem Englischen ins Deutsche übertragen.
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